»Bringt ihn hierher«, wiederholte der Stadthauptmann. »Und ihm wird hier inmitten des Volkes der Prozeß gemacht werden.

Wir arbeiten alle zusammen daran, Akbar zu einer blühenden Stadt zu machen – und wir werden gemeinsam über das befinden, was uns bedroht.« Der Beschluß wurde mit Applaus begrüßt. Eine Gruppe von Soldaten aus Akbar näherte sich, die einen blutüberströmten, halbnackten Mann mit sich schleppten. Er mußte zuvor heftig geschlagen worden sein.

Der Lärm verstummte, und eine drückende Stille legte sich auf das Publikum, unterbrochen nur vom Grunzen der Schweine und vom Lachen der Kinder, die am anderen Ende des Platzes spielten.

»Warum habt Ihr das mit dem Gefangenen gemacht?« herrschte der Stadthauptmann sie an.

»Er hat sich gewehrt«, antwortete einer der Wächter. »Er sagte, er sei kein Spion, sondern hierhergekommen, um mit Euch zu sprechen.« Der Stadthauptmann ließ drei Stühle aus seinem Palast bringen. Seine Diener brachten den Richtermantel, den er anlegte, wenn der Rat von Akbar zusammentrat.

Er und der Priester setzten sich. Der dritte Stuhl war für den Kommandanten bestimmt.

»Hiermit erkläre ich feierlich das Gericht von Akbar für eröffnet.

Die Ältesten mögen näher treten.« Eine Gruppe betagter Männer trat zu den beiden und stellte sich im Halbkreis hinter die drei Stühle. Das war der Ältestenrat. Einstmals war ihr Ratschluß befolgt worden, inzwischen jedoch war ihre Rolle rein formell und bestand darin, die Entscheidungen des Stadthauptmanns zu bestätigen.

Der Stadthauptmann brachte zuerst die rituellen Formalitäten hinter sich – die Götter vom Fünften Berg wurden angerufen, die Namen der legendären Helden von Akbar feierlich verlesen –, dann wandte er sich an den Gefangenen.

»Was wollt Ihr?« fragte er.

Der Gefangene gab keine Antwort, musterte ihn nur unverhohlen, wie von gleich zu gleich.

»Was wollt Ihr?« beharrte der Stadthauptmann.

Der Priester berührte seinen Arm.

»Wir brauchen einen Dolmetscher. Er spricht unsere Sprache nicht.« Einer der Wächter wurde beauftragt, einen Kaufmann zu holen, der für sie dolmetschen sollte. Die Kaufleute nahmen nie an Elias Sitzungen teil, da sie zu sehr mit ihren Geschäften beschäftigt waren und damit, ihren Gewinn zu zählen.

Während sie warteten, flüsterte der Priester dem Stadthauptmann zu: »Sie haben den Gefangenen geschlagen, weil sie sich fürchteten. Erlaubt, daß ich diese Verhandlung führe, und sagt nichts. Panik macht nur alle aggressiv, und wenn wir nicht die nötige Autorität zeigen, könnte uns die Situation entgleiten.« Der Stadthauptmann schwieg. Auch er fürchtete sich. Er suchte Elia mit den Augen, doch von dort, wo er saß, konnte er ihn nicht sehen.

Ein Kaufmann wurde gewaltsam von einem Wächter herbeigeführt. Er beschwerte sich beim Gericht, er sei sehr beschäftigt und könne hier nicht seine Zeit vertun. Doch der Priester blickte ihn nur streng an und gebot ihm, ruhig zu sein und das Gespräch zu übersetzen.

»Was wollt Ihr hier?« fragte der Stadthauptmann.

»Ich bin kein Spion«, sagte der Mann. »Ich bin einer der Generäle des Heeres. Ich bin gekommen, um mit Euch zu sprechen.« Das Publikum, das zuerst totenstill gewesen war, begann hemmungslos zu schreien, sobald der Satz übersetzt worden war. Sie bezichtigten den Assyrer der Lüge und forderten die sofortige Todesstrafe.

Der Priester bat um Ruhe und wandte sich an den Gefangenen.

»Was wolltet Ihr bereden?« »Es heißt, der Stadthauptmann sei ein weiser Mann«, sagte der Assyrer. »Wir wollen diese Stadt nicht zerstören. Wir sind an Tyrus und Sidon interessiert. Doch Akbar liegt auf halbem Weg und kontrolliert dieses Tal. Wenn wir kämpfen müssen, werden wir Zeit und Männer verlieren. Ich bin gekommen, um einen Vertrag abzuschließen.« >Der Mann spricht die Wahrheit


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