Meheux eilte hinweg, rief die Matrosen vom Decksgang und von den Webeleinen, von wo aus sie das fremde Schiff beobachteten. Minuten später ging die Navarra mit der flatternden, vor dem klaren Himmel gut sichtbaren Flagge in den Wind; die leeren Segel schlugen protestierend, und das Deck war auf einmal voller Menschen, die von unten heraufgeströmt kamen.

Bolitho balancierte die ungleichmäßigen Bewegungen der Navarra aus und trat wieder zu Witrand.»Ihr Angebot, m'sieur — war es ernst gemeint?«Er fingerte an seinem Koppel und fuhr mit niedergeschlagenen Augen fort:»Ich hätte da jemanden.»

Er brach ab und fuhr herum, denn ein tosendes Hurrageschrei hallte über das Wasser.

Die Fregatte halste und kam heran, und als sie zum Aufschießen in den Wind ging, sah er die Flagge am Besan. Es war die gleiche wie die der Navarra, und er mußte sich abwenden, um seine Bewegung zu verbergen.

Unter Freudensprüngen schrie Ashton:»Das ist die Coquette, Sir!»

Meheux grinste von einem Ohr zum anderen, schlug Allday auf die Schulter und brüllte:»Na also!«Und noch ein Schlag:»Na also!«Weiter brachte er nichts heraus.

Bolitho sah zu dem Franzosen hinüber.»Es wird nicht mehr nötig sein, m'sieur.«Die gelben Augen des Mannes waren starr. Er hatte verstanden.»Aber ich danke Ihnen«, schloß Bolitho.

Witrand starrte die Flagge an.»Anscheinend sind die Engländer wieder im Mittelmeer«, sagte er nur.

XI Das Warten ist zu Ende

Sie brauchten noch zwei Tage, um das Geschwader zu finden, und während dieser Zeit fragte Bolitho sich oft, was wohl passiert wäre, wenn die Coquette nicht so rechtzeitig erschienen wäre. Der Chronometer der Navarra war zerbrochen; weder ein Sextant noch ein verläßlicher Kompaß waren vorhanden. Auch ohne die Sturmschäden wäre es ihm schwergefallen, den Schiffsort auch nur schätzungsweise festzulegen; vom Abstecken eines Kurses nach dem Gebiet, wo das Geschwader sich sammeln sollte, ganz zu schweigen.

Gifford, der lange, schlaksige Kommandant der Coquette, nannte es» reines Teufelsglück«, und das mit Recht. Denn wäre er auf seiner vorgeschriebenen Station im Kielwasser des Geschwaders geblieben und hätte sich dort auf die befohlenen kurzen Späh- und Patrouillenfahrten beschränkt, so hätte er die havarierte, nicht voll manövrierfähige Navarra nie gefunden. Er hatte ein Segel gesichtet, hatte seinen Kurs geändert und war rekognoszieren gefahren; in der Sturmnacht hatte er es jedoch wieder verloren. Am nächsten Tag hatte er es wiedergefunden — es war eine britische Korvette, die noch dazu auf der Suche nach ihm selbst war. Sie war vierundzwanzig Stunden nach dem Auslaufen des Geschwaders in Gibraltar angekommen und brachte Depeschen für Broughton. Diese hatte sie an Gifford übergeben und war schleunigst wieder zurückgesegelt, da sie sich verständlicherweise in diesen feindverseuchten Gewässern nicht recht wohl fühlte.

Gifford wußte nicht, was dieser versiegelte Umschlag enthielt, und sprach auch immer nur von seiner Überraschung beim Anblick der Navarra und besonders der Flagge, die auf dem so schwer beschädigten Schiff wehte. Und noch mehr staunte er, als er in dem zerlumpten, blutbefleckten Mann, der ihn beim Anbordkommen begrüßte, seinen eigenen Flaggkapitän erkannte.

Bei den vielen Frauen, die an Deck der Navarra herumwimmelten, war es kein Wunder, daß sich auf der Coquette massenhaft Freiwillige meldeten, als Männer für die Reparaturen gesucht wurden. Der Erste Offizier der Fregatte, der bekanntermaßen sehr geizig mit den Reservebeständen seines Schiffes war, ließ sogar einen Hilfsmast hinüberschicken, um den gekappten Besan zu ersetzen.

Oft hörte Bolitho während der Arbeit schrilles Lachen und diskretes Gekicher vom Unterdeck. Da erlaubte sich offenbar der eine oder andere von der Mannschaft der Coquette einen kleinen Spaß.

Und als er am nächsten Morgen an der Luvreling der Navarra stand, war er stolz, als er die Sonne auf den wohlbekannten Marssegeln des Geschwaders schimmern sah und die flinke Restless heranschoß, um nachzusehen, wer da käme.

Meheux schien ebenfalls bewegt zu sein.»Fein sehen die aus, Sir«, sagte er befriedigt.»Ich habe gar nichts dagegen, von Bord dieser schwimmenden Ruine zu kommen.»

Und dann setzte die Coquette mehr Segel und eilte dem havarierten Schiff voraus. Schon flatterten die Signalflaggen munter an den Rahen; Bolitho sah sein eigenes Schiff hell im Sonnenlicht stehen. Es halste, und langsam füllten sich die bräunlichen Segel über dem neuen Bug; dann schien es wieder wie die anderen Linienschiffe bewegungslos über seinem Spiegelbild zu stehen, und nur an einer winziger Schaumspur am Bug erkannte man, daß es stetig aufkam.

«Sie wird gleich ein Boot aussetzen. Sie behalten hier das Kommando, Mr. Meheux, bis drüben entschieden wird, was mit der Navar-ra geschehen soll. Sie werden wohl nicht lange darauf zu warten haben«, sagte Bolitho.

«Ich bin erleichtert, das zu hören, Sir«, lächelte Meheux und deutete auf ein offenes Luk, aus dem das Klappern und Janken der Pumpen heraufklang.»Was ist mit den Männern da unten, Sir? Soll ich sie unter Bedeckung hinüberschicken?»

Bolitho schüttelte den Kopf.»Sie haben ganz ordentlich gearbeitet, und ich glaube, sie werden es sich in Zukunft überlegen, ob sie sich wieder an einer Gratisladung Brandy vergreifen.»

Ashton rief:»Flaggschiff signalisiert an Geschwader: >Beidrehen


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